Anforderungen an einen Projektleiter

Der Erfolg eines Projektes steht und fällt mit der Qualifikation des Projektleiters. Heutzutage steht  das individuelle Persönlichkeitsprofil eines Projektleiters im Mittelpunkt, denn ca. 80% aller Projekte scheitern nicht an zu hohen technischen Anforderungen, sondern an der mangelnden sozialen Kompetenz der Projektleiter.

Früher galten Projektmanager als Fachexperten, die ein technisches Problem zu lösen hatten. Die Projektleiter von heute hingegen tragen die Ergebnis- und Gesamtverantwortung. Das Rollenbild und die Anforderungen haben sich grundlegend verändert.

Ein Projektleiter muss heute das „Multirollenprinzip“ verstehen und beherrschen. Denn um herausfordernde und sozial komplexe Projekte erfolgreich meistern zu können, ist der Projektleiter gefordert Stratege, Manager, Repräsentant, Koordinator, Verhandlungspartner, Konflikt- und Krisenmanager, Psychologe, Seelentröster, und vieles mehr gleichzeitig zu sein – und das alles in einer Person. Reines Fachwissen alleine reicht schon lange nicht mehr aus.

Geänderte Anforderungen an das Rollenbild der Projektleiter

Wie haben sich nun die Anforderungen an einen Projektleiter mit dem sich wechselnden Rollenbild in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt? Worauf soll ein Projektleiter selbst achten und worin bestehen die wichtigen und entscheidenden Kriterien aus Sicht eines Unternehmens?

Die folgende Auflistung ist eine umfassende Kriteriensammlung, die sicher kein Projektleiter der Welt zu hundert Prozent in sich vereint. Sie ist aber eine wertvolle Stütze, die Impulse geben kann, worauf bei der Auswahl eines Projektleiters zu achten ist.

Anforderung: Prozess- und Methodenwissen

Ein Projektleiter …

  • versteht unter Projektmanagement einen ganzheitlichen Ansatz, den bewussten Umgang mit Konflikten, eine aktive Steuerung der Kommunikation sowie die Betrachtung des Umfeldes.
  • denkt und handelt projektbezogen und damit abteilungsübergreifend.
  • richtet seine Konzentration auf die Projektziele, nutzt die Stärken seines Teams, erkennt das Risiko des Scheiterns frühzeitig und setzt klare Prioritäten.
  • kennt das breite Portfolio an Methoden und Werkzeugen des Projektmanagements und wendet dieses regelmäßig und vielfältig an; er weiß genau, welche Methoden und Werkzeuge für welche Situation im Projekt optimal sind.
  • ist in der Lage, realistische und adäquate Projektpläne zu erstellen, die sich an der Größe, dem Risiko und der Komplexität des Projektes orientieren.
  • koordiniert, steuert und managet den Projektmanagement-Prozess unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen und Terminen, Kosten und Ressourcen.
  • wendet Moderations-, Präsentations- und Kreativitätstechniken regelmäßig und bewusst an.
  • reflektiert das eigene Handeln, gewinnt Erkenntnisse und stimmt seine Vorgehensweisen immer wieder von neuem darauf ab.

Anforderung: Führung und Teamarbeit

Ein Projektleiter …

  • legt den Fokus auf den Teambuilding- und Entwicklungsprozess zu Beginn eines Projektes.
  • ist bestrebt, Lösungen gemeinsam zu erarbeiten, um ihre Akzeptanz zu fördern.
  • setzt herausfordernde und realistische Ziele und engagiert sich „kämpferisch“ für deren Erreichung.
  • legt großen Wert auf die Mitsprache und die Mitgestaltung des Projektteams.
  • erkennt die Bedürfnisse und Potenziale seiner Projektmitarbeiter und fördert deren Entwicklung ohne die Projektziele zu gefährden.
  • delegiert Aufgaben im Projekt passend zur Qualifikation und Fähigkeit des Projektmitarbeiters.
  • weckt Begeisterung bei seinen Projektmitarbeitern und sorgt für ein positives Klima.
  • kennt die Wirksamkeit des eigenen Führungsstils und passt diesen an die Situation im Projekt an.
  • ist Vorbild für die Mitarbeiter im Projekt hinsichtlich der Aufgabenerfüllung und Persönlichkeitswirkung.
Projektmanagement: Soft Skills für Projektleiter (Whitebooks)
  • Tomas Bohinc
  • Herausgeber: GABAL
  • Auflage Nr. 5 (01.08.2006)
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

Anforderung: Kommunikation

Ein Projektleiter …

  • kennt die Vorteile einer transparenten Kommunikationsstruktur innerhalb einer Projektorganisation und kann diese optimal etablieren.
  • weiß um die Wichtigkeit einer aktiven und bewussten Betreuung einflussreicher Stakeholder und Umfeldgruppen.
  • macht die gewählte Strategie und Vorgehensweise für das Projektteam und das Projektumfeld transparent und verständlich.
  • kann sich gut verständigen und besitzt die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach, knapp und strukturiert darzustellen.
  • organisiert die Zusammenarbeit im Projektteam durch definierte Regeln, die nicht verordnet sondern gemeinsam erarbeitet werden.
  • ist in der Lage, ein positives und wertschätzendes Arbeitsklima zu schaffen und lebt dieses vor allem vor.
  • kennt die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen, kann sich auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Personengruppen gut einstellen und spricht deren „Sprache“.
  • kann aktiv zu hören und stellt die richtigen Fragen; denn Fragen sind die Antworten.
  • legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und Akzeptanz von Entscheidungen.

Anforderung: Konfliktmanagement

Ein Projektleiter …

  • verhält sich aktiv bei Problemen und schwierigen Projektsituationen.
  • geht Konflikten im Projektteam oder mit dem Management nicht aus dem Weg.
  • agiert in der Sache hart und klar, zur Person hin aber auf eine wertschätzende Art und Weise.
  • geht mit Kritik, auch an der eigenen Person, konstruktiv um.
  • nimmt stets eine konstruktive Haltung ein; Stichwort „Problemorientierung vs. Lösungsorientierung“

Kurz: Der Projektleiter des 21. Jahrhunderts ist ein „Wunderwuzzi“!


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Literaturhinweise