Kreativität im Beruf

Das Talent für Kreativität steckt in jedem von uns. Was nützt aber das Talent, wenn es an den Werkzeugen fehlt, die kreative Energie auf die Straße zu bringen und in Innovationsprozessen erfolgreich zu nutzen? Welche Tools und Methoden gibt es, um Kreativität zu fördern und wirken zu lassen?

Vor der Beschäftigung mit den hilfreichen Werkzeugen um die eigenen Kreativitätspotenziale zu stärken, lohnt es sich, sich mit der Frage „Was ist Kreativität?“ zu beschäftigen. Wir kommen der Fragestellung „Was ist Kreativität?“ näher, wenn wir uns fragen: „Was ist das Gegenteil von Kreativität?“ Verwendet man den Begriff Kreativität als Adjektiv (Ich bin kreativ), so ist damit die besondere Eigenschaft einer Handlung – eines aktiven Handelns – gekennzeichnet. Daraus lässt sich das Ergebnis ableiten, dass jemand, der nicht handelt, nicht kreativ sein kann.


Was zeichnet eine kreative Handlung aus?

Auch hier ist es leichter die Gegenfrage zu beantworten:

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„Was zeichnet eine Handlung aus, die nicht kreativ ist?“

Nehmen wir als Beispiel für eine nicht kreative Handlung die täglichen Routinearbeiten im Büro. Sie erfolgen nach bestimmten Regeln und Mustern (z.B. das Ablegen und Archivieren). Niemand würde diese Tätigkeiten als kreativ bezeichnen. Was fehlt dann diesen Routinearbeiten, damit man sie als kreativ bezeichnen würde? Es fehlt ihnen der Moment der Neuheit. Eine Handlung ist also dann kreativ, wenn durch sie etwas „Neues“ geschaffen wird.

Aber nicht nur das. Wir sprechen auch von Kreativität, wenn ein bekanntes, bewährtes Ergebnis auf eine neuartige Art und Weise erreicht wurde, quasi ein neuer, kreativer Weg zu einem bekannten Ziel. So ist beispielsweise die Forschung nach alternativen Energiequellen (z.B. Wasser- oder Windkraft) kreativ zu nennen.

Nicht nur das Ergebnis einer Handlung kann also als kreativ bezeichnet werden, sondern auch die Art und Weise, die zu seiner Verwirklichung führt.


Was ist der Maßstab für eine kreative Handlung?

Nehmen wir als Beispiel die Geschichte Trojas her. Nach zehn Jahren verlustreicher Kämpfe unter den Mauern Trojas breitete sich Kriegsmüdigkeit im Heer der Griechen aus. Die Trojaner hatten sich militärisch als ebenbürtig erwiesen. Der Fall der Festung war in weite Ferne gerückt. Die Griechen gestanden sich das Scheitern ihres Feldzuges ein und bereiteten ihren Abzug vor.

Da hatte Odysseus die Idee mit dem Pferd, das später das Trojanische heißen sollte. Auf seinen Rat hin bauten die Griechen ein hölzernes Gehäuse, dem sie die Gestalt eines Pferdes gaben. In seinem hohlen Innern verbarg sich eine Schar der besten griechischen Kämpfer. Dann brach das griechische Heer sein Lager ab und segelte fort; allerdings nur bis zur nächsten Bucht, wo die Schiffe unbemerkt vor Anker gingen. In einem Gebüsch am Strand blieb ein junger Mann zurück, der freiwillig eine wichtige und überaus gefährliche Rolle im Plan des Odysseus übernommen hatte.

Als die griechischen Schiffe am Horizont verschwunden waren, strömten die Trojaner voller Jubel über ihren Sieg aus der Stadt und bestaunten das hölzerne Pferd. Jemand fand einen offensichtlich aus Versehen zurückgelassenen Griechen und zerrte ihn aus seinem Versteck. Die Trojaner verhörten den Gefangenen und erfuhren, das Pferd sei der Athene geweiht und wer es in seinen Mauern berge, dem sei der Schutz der Göttin gewiss.

Deshalb hätten die Griechen es größer als ein Stadttor gebaut, damit die Trojaner des Schutzes der Göttin entsagen müssten.
Siegestrunken und ohne die Warnungen der Königstochter Kassandra zu hören, schlugen die Trojaner eine Bresche in die Festungsmauer und zogen das Pferd in die Stadt. In der Nacht entstiegen ihm die griechischen Kämpfer und zur gleichen Zeit landete die griechische Flotte. Troja nahm sein allen bekanntes grausiges Ende.

Die Moral von der Geschichte: Die Griechen eroberten Troja nicht, weil sie die besseren Soldaten waren, sondern weil sie die bessere Idee hatten, kreativer waren! Die Griechen haben mit dem Einsatz des Trojanischen Pferdes – mit dieser „kreativen Handlung“ – einen Sieg errungen, der durchaus als kreativ zu bezeichnen ist. Der Maßstab, der uns also veranlasst, von Kreativität zu sprechen, hängt offensichtlich mit dem persönlichen Empfinden zusammen, auf eine positive, angenehme und wertvolle Art und Weise überrascht zu werden.


Grundlagen kreativer Handlungen

  • Interesse und Neugierde zeigen:
    Sie sind immer aufmerksam und nehmen Ihre Umwelt – sowohl die private, als auch die Arbeitsumwelt – unvoreingenommen und bewusst wahr. Sie legen die „Scheuklappen“ ab.
  • Flexibel sein:
    Sie erkennen, dass sich Situationen nicht wie geplant entwickeln und Ihnen fällt immer eine neue Idee dazu ein. Unvorhergesehene Probleme betrachten Sie als Herausforderung.
  • Langfristiges Vorausdenken bei ungewisser Zukunft:
    Sie spielen geistig zu bestimmten Situationen Zukunftsszenarien durch. Sie überlegen sich Varianten, wie sich die Dinge im besten und im schlechtesten Fall entwickeln könnten und wie Sie darauf reagieren. Innerhalb dieser Handlungsspanne sind Sie offen für „Alles“.
  • Visionäres Denken:
    Sie spielen gedanklich mit der Zukunft und bewegen sich in „Traumwelten“. Sie bauen „Luftschlösser“ oder „spinnen Gedanken“, wie sich die Umwelt und die Gesellschaft verändern werden und wie Sie davon profitieren können.
  • Kritisches Hinterfragen:
    Sie nehmen Entscheidungen, die täglichen Routinearbeiten und die Gewohnheiten des Alltags nicht einfach hin. Sie stellen sich die Frage: „Warum ist das so? Muss das so sein?“ oder „Wie kann man es besser machen?“
  • Sich inspirieren lassen:
    Sie greifen Gedanken und Ideenansätze anderer Menschen auf und führen diese weiter. Sie lieben die Teamarbeit, denn Sie brauchen und suchen den geistigen Austausch mit Gleichgesinnten.
  • Fehler tolerieren:
    Sie leben nach dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Rückschläge sind für Sie ein Teil des Probierens und Experimentierens. Sie haben die Ausdauer – trotz Niederlagen – immer wieder neu anzufangen.
  • Der eigenen Intuition vertrauen:
    Sie haben ein gewisses Gespür, was Entscheidungen angeht. Sie vertrauen nicht nur auf Ihren rationalen Verstand, sondern Sie geben auch Ihrer Intuition eine Chance.
  • Organisieren:
    Auch bei komplexen Aufgaben und in verzwickten Situationen bewahren sie immer den Überblick. Sie haben den „Blick für das Wesentliche“.
  • Überzeugungskraft besitzen:
    Sie können Ihr Umfeld von Ihren Ideen überzeugen. Sie wissen, wie man Ideen und Vorstellungen „verkaufen“ muss, um andere für sich und die Sache gewinnen zu können.
  • Anregungen sammeln:
    Sie sammeln Ideen und Anregungen mit dem Hintergedanken, bei Bedarf ein zukünftiges Problem lösen zu können. Sie archivieren für Sie wertvolle Zeitschriften, Artikel und Prospekte, um genügend Material als Inspiration zu haben.

Genial ist kein Zufall: Die Toolbox der erfolgreichsten Ideenentwickler (praxiskompakt)
  • Jens-Uwe Meyer, Henryk Mioskowski
  • Herausgeber: BusinessVillage
  • Auflage Nr. 1 (10.06.2013)
  • Taschenbuch: 248 Seiten


Wer ist kreativ?

Wir, die „gewöhnlichen“ Menschen – mit mehr oder weniger großem Talent ausgestattet – sind generell nicht oder nur selten kreativ. Seit jeher werden solche begnadeten Menschen verehrt und gefürchtet. Als im Jahre 1957 die damalige Sowjetunion ihren ersten Satelliten „Sputnik“ in die Erdumlaufbahn brachte, brach für die amerikanische Regierung der kreative Notstand aus. Man glaubte, dass die russischen Wissenschaftler kreativer seien als die eigenen.

Es setzte eine Welle zur Erforschung der Kreativität ein. Man versuchte durch psychologische Tests jene Eigenschaften herauszufinden, die einen „kreativen Menschen“ auszeichnen, um diese „Begnadeten“ frühzeitig entdecken und fördern zu können. Diese sind jedoch kläglich gescheitert.

Es gibt offenbar keine besonderen Eigenschaften, die einen kreativen Menschen auszeichnen. Also diskriminieren Sie sich nicht selbst, indem Sie sagen: Ich bin nicht so klug, so kreativ wie diese oder jene Person! Der Grund, warum viele Menschen nicht so klug bzw. kreativ sind, besteht einfach darin, dass sie genau dies von sich glauben und das tägliche Handeln als Routine festhalten. Ein wichtiges positives Ergebnis hat die Kreativitätsforschung erbracht:

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Kreative Menschen glauben an ihre Fähigkeiten und steigern dadurch ihr Selbstwertgefühl!

Bitte vergleichen Sie sich jetzt nicht mit Galileo, Mozart oder Goethe. Unbestritten gibt es besondere Talente, d. h. Geistesgrößen, die von Kindesbeinen an kreative Meisterleistungen vollbringen. Dessen ungeachtet, dass wir niemals in der Lage sein werden, wie Mozart zu komponieren (auch nicht durch Kreativitätstraining), kann niemand uns davon abhalten Klavier zu spielen oder Bilder zu malen und unsere eigene Kreativität zu erleben. Also gilt weiterhin:

Nicht jeder kann auf besondere Weise kreativ sein, jeder hat aber Kreativitätstalent!

Ein Beispiel:
Sie fahren an einem vorweihnachtlichen Einkaufssamstag in die Innenstadt. Alle Parkplätze sind besetzt und die Parkhäuser sind überfüllt. Sie fahren umher und suchen einen freien Parkplatz – am besten einen, an dem Sie keinen Strafzettel kassieren. Ist Ihnen bei der Suche schon einmal aufgefallen wie kreativ Ihre Mitmenschen bzw. Sie bei der Parkplatzsuche sind? Für viele eine ganz alltägliche Handlung. Die Situation der Parkplatzsuche ist immer wieder ähnlich bzw. bekannt, jedoch ist die Konstellation an jedem Samstag immer wieder neu. An diesem Beispiel können Sie sehen, dass die alltäglichen Leistungen, die wir scheinbar automatisch meistern, höchst komplexe Aufgaben sind. Eindeutig gehört diese einfache Form kreativen Handelns so sehr zu unserer ureigensten Natur, dass wir dies gar nicht mehr bemerken. Deshalb gilt folgende Erkenntnis:

Unser Gehirn ist unentwegt kreativ!

Allein die Tatsache, dass wir leben, ist schon die Entfaltung unserer natürlichen Kreativität. Das Leben stellt Sie immer wieder vor neue Situationen und Sie finden ständig neue Lösungen, welche Ihnen positiv und wertvoll erscheinen. Die eigene Kreativität kann durch bestimmte Verhaltensweisen oder mentale Einstellungen gefördert werden.


Kreativ sein kann jeder – auch SIE!


Wie kann man vorhandene Kreativität freisetzen?

Aus zahlreichen Gesprächen mit Künstlern ist bekannt, dass das Erlebnis der Kreativität oft nur phasenweise auftritt. Wie von einem Geist beflügelt scheint es dann so, als käme der Maler nicht mit dem Malen, der Komponist nicht mit dem Schreiben nach, um den Überschwang an Ideen zu Papier oder auf die Leinwand zu bringen.

Aber auch wir „normale“ Menschen kennen dieses Phänomen. Es gibt Tage, da können wir unsere Freizeit oder unsere Arbeit mit Ideen bereichern; an anderen Tagen können wir – trotz größter und krampfhafter Denkanstrengungen – keinen positiven Beitrag leisten. Das Ergebnis einer kreativen Phase ist immer mit einem Glücksgefühl, einer guten Stimmung verbunden. Ebenso sind wir in guter Stimmung, in entspannter Atmosphäre eher in der Lage, Einfälle zu entwickeln.

Daraus ergeben sich für uns zweierlei Erkenntnisse:
Wir können nicht einfach „auf Befehl“ kreativ sein. Es ist eher so, dass uns kreative Phasen einfach überfallen. Sie sagen auch „Mir kommt da eine Idee“ und nicht „Ich mache eine Idee.“

Wir müssen offen sein für die Kreativität. Einfälle kommen nur, wenn wir es zulassen bzw. wenn wir ihnen den Freiraum geben, sich entfalten zu können. Kreativität lässt sich nicht bewusst herstellen.

Kreativität hat somit, bildlich gesprochen, etwas von einem Hauch des Besonderen. Sie überkommt uns oder sie überkommt uns nicht. Andererseits, wenn wir im Stress, verbohrt oder engstirnig sind, dann kann sich Kreativität nicht entfalten. Die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Entstehung von Kreativität sind innere Ruhe, umgebende Stille zur Förderung der Konzentration, Offenheit für Neues und Mut zum in erster Linie sinnlosen Querdenken.

Grundsätze persönlicher Kreativität

  • Machen Sie sich frei von alten, vorgegebenen und bewährten Mustern und Denkstrukturen.
  • Öffnen Sie sich für neue Informationen, Erfahrungen und Erkenntnisse.
  • Seien Sie offen für Überraschungen.
  • Konzentrieren Sie sich auf Prozesse und nicht auf das Ergebnis.
  • Vergessen Sie das was angeblich sein muss, soll, kann, sollte oder könnte.

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Literaturhinweise