NEIN sagen kann man lernen

Zeitmanagement bedeutet in erster Linie das Management der eigenen Ressourcen. Wie viel Zeit/Energie brauche ich, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen? Doch was ist zu tun, wenn das eigene Zeitmanagement immer wieder durcheinander gebracht wird? 

Durch Kollegen, Vorgesetzte, oder Mitarbeiter, die erwarten, dass man auf Zuruf reagiert und sprichwörtlich springt, wenn man gebraucht wird. „Kannst du mir ganz schnell helfen?“, „Du, ich brauch dich ganz kurz, dauert sicher nicht lange…“ lauten die kollegialen Hilferufe und schon sind die eigenen Pläne in den Hintergrund geraten. Auf diese Weise können die eigenen Ziele nicht oder nur unter großem Stress erreicht werden. Und wem soll das auf lange Sicht nützen?

Tatsache ist, dass wir – vor allem Frauen – sehr schnell bereit sind, uns ablenken zu lassen, wenn jemand etwas von uns will! So wichtig gegenseitiges Helfen und Teamwork im Arbeitsleben sind, so wichtig ist es auch, den Zeitpunkt für die Erledigungen selbst planen zu können, um nicht ständig zwischen mehreren Arbeitsprozessen hin und her gerissen zu werden. Denn das kostet Zeit und Nerven!

Doch wie kann es gelingen, sich gegen Zeitdiebe zu wehren und gleichzeitig das Arbeitsklima nicht zu stören?

Tipp 1: Warum gerade ich?

Prüfen Sie den Wunsch oder das Anliegen! Hinterfragen Sie, warum gerade Sie ausgewählt wurden. Was ist konkret zu tun und kann das nicht vielleicht auch jemand anderer übernehmen?

Tipp 2: Bei sofortiger Ablehnung sofort NEIN sagen

Wenn Sie innerlich ablehnen, warten Sie nicht zu, sagen Sie sofort NEIN! Spätestens, wenn Sie die Aufgabe dann angehen wollen, ärgern Sie sich, dass Sie sich wieder „kleinkriegen“ ließen. Wut im Bauch verursacht nur negative Energie, die wiederum ganz und gar nicht für Motivation sorgt.

Tipp 3: Um Bedenkzeit bitten

Wenn Sie sich überrumpelt fühlen, erbitten Sie eine Bedenkzeit! Z.B. Da muss ich erst mal darüber nachdenken. Ich gebe dir dann Bescheid. Dann können Sie in Ruhe überprüfen, ob Sie für die erbetene Aufgabe Zeit haben, was Sie eventuell dafür hintanstellen müssen, ob es Ihnen Spaß macht, wie viel Kraft, Energie, etc. es Sie kosten wird, der Bitte nachzukommen. Und nicht zuletzt auch, wie ist Ihr Verhältnis zu der Person, die Sie um einen Gefallen gebeten hat? Inwieweit hält sich zwischen Ihnen Geben und Nehmen die Waage? Wie oft haben Sie schon zu etwas JA gesagt und möchten Sie dies weiterhin tun? Sind diese Fragen beantwortet, können Sie Ihre Entscheidung kundtun.

Tipp 4: Nicht JA sagen, ohne nachzudenken

Sollte wider Erwarten keine Bedenkzeit möglich sein, entscheiden Sie trotzdem nicht sofort. Zählen Sie innerlich bis 10! Wenn Sie kurz überschlagen, was Sie hintanstellen müssten, wenn Sie diese Aufgabe jetzt übernehmen, wie viel Zeit und Energie sie Ihnen raubt, wie es mit Ihrer Motivation aussieht, etc. haben Sie vielleicht schon eine Tendenz in Richtung JA oder NEIN. Denken Sie nach, wiederholen Sie den Sachverhalt, machen Sie eine kurze Pause und sagen Sie dann erst JA – oder eben NEIN!

Tipp 5: „Mild“ Nein sagen

Ein NEIN muss nicht mit Wucht auf den Tisch geknallt werden, es kann auch sanft, behutsam und freundlich transportiert werden. Sie können plausibel begründen, warum Sie gerade keine Zeit haben, Verständnis für die Situation des anderen zeigen, sich für das Vertrauen bedanken und Alternativen aufzeigen. Manchmal reicht auch ein Teil-NEIN, vielleicht kann ein Part der Aufgabe erledigt werden, der andere später oder gar nicht. Doch bitte nicht falsch verstehen: Ein mildes NEIN ist immer noch ein NEIN!

Tipp 6: Sich nicht überreden lassen

Normalerweise sollte ein einmaliges NEIN reichen. Doch schon in der Kindheit haben wir gelernt, dass Bitten und Betteln manchmal hilft. Menschen, die früher damit durchgekommen sind, versuchen es auch im Erwachsenenalter und bleiben hartnäckig – vor allem, wenn sie es nicht gewohnt sind, von Ihnen ein NEIN zu erhalten. Diesen Zeitgenossen muss höflich klargemacht werden, dass bei Ihnen ein NEIN nein heißt und es dabei auch bleibt. Mit der Zeit werden sie es lernen.

Bedenken Sie bei all diesen Tipps: Der Ton macht die Musik!

Zusätzlich kann es nützlich sein, sich in die Situation des anderen hinein zu versetzen. In welcher Lage ist er gerade und wie würden Sie in seiner Situation auf ein NEIN reagieren? Beobachten Sie sich auch einmal selbst, wie Sie sich verhalten, wenn Sie ein NEIN hinnehmen müssen und betrachten Sie den Sachverhalt einmal von der anderen Seite!


„Mild“ NEIN sagen

  • “Sehr nett von Ihnen, dass Sie da an mich denken, aber mein Kalender ist leider total überfüllt.”
  • “Sie können sich jederzeit gerne zu uns setzen, nur jetzt reden wir gerade über etwas Persönliches.”
  • “Es tut mir wirklich leid, dass du so im Stress bist, aber im Moment kann ich dir leider auch nicht aushelfen!“
  • „Bei mir geht das leider jetzt nicht, aber ich schlage vor: A oder B könnten das machen…“
  • „Jetzt hab ich leider keine Zeit dafür, aber gegen 17 Uhr könnte es sich noch ausgehen.“
  • “Ihnen scheint es sehr wichtig zu sein, mich umzustimmen. Aber leider kann ich nur noch einmal wiederholen, dass es heute nicht geht.”

Jeder kann lernen, NEIN zu sagen!

 NEIN sagen muss man üben!

Jedes Mal wenn Sie wissen, dass Sie NEIN sagen sollten, tun Sie es einfach! Natürlich ist das leichter geschrieben als getan. Will man sich verändern, beginnt das im Kopf. Der erste Schritt ist, sich selbst von seinen Schuldgefühlen, der Angst vor den Konsequenzen und der Abhängigkeit von anderen loszusagen. Erlauben Sie sich NEIN zu sagen – wenn nötig, sogar schriftlich! Sie werden sehen, je öfter Sie NEIN sagen, desto einfacher fällt es Ihnen. Der angenehme Nebeneffekt des NEIN Sagens ist, dass man mit der Zeit genau weiß, wofür man seine Zeit opfern will und wofür nicht – ein wichtiger Schritt in Richtung effektives Zeitmanagement.

Um mentale Blockaden zu überwinden, können folgende Gedanken hilfreich sein:

  • Blockade: Bei einem NEIN wird mich der andere ablehnen. Auflösung: Ich bin nicht sicher, ob er mich ablehnen wird. Vielleicht tut er es, vielleicht auch nicht. Und wenn doch, kann ich auch damit leben, er wird darüber hinweg kommen.
  • Blockade: Ich bin schuld an der Enttäuschung, Frustration, Wut, Verletzung, des anderen etc. Auflösung: Ich bin nicht sicher, ob der andere anschließend enttäuscht, frustriert, wütend oder verletzt ist. Wenn er negative Energie versprühen will, dann bitte schön. Ich kann ihm nur erklären, was in meiner Macht steht und was nicht.
  • Blockade: Wenn ich NEIN sage, bin ich egoistisch. Auflösung: Ich muss nicht immer sofort springen, wenn jemand etwas von mir braucht. Deswegen bin ich noch lange kein Egoist. Echte Egoisten kämen außerdem gar nicht auf die Idee, dass sie egoistisch sein könnten. Daher bin ich schon einmal keiner, weil ich darüber nachdenke, ob ich einer sein könnte.
  • Blockade: Der andere wird wütend werden, auf mich losgehen und ich bin hilflos.Auflösung: Ich bin nicht sicher, wie der andere reagieren wird. Vielleicht nimmt er mein NEIN auch anstandslos hin. Wenn nicht, kann ich ihn immer noch bitten, sachlich zu bleiben, sich nicht so aufzuregen oder zu gehen, weil ich mir das nicht anhören muss.
  • Blockade: Wenn ich NEIN sage, verliere ich meinen Job! Auflösung: Wir realistisch ist das wirklich? Wahrscheinlich übertreibe ich jetzt maßlos. Ich kann gar nicht wissen, ob das tatsächlich passieren wird. Und wenn doch, muss etwas Anderes auch schon gehörig schief laufen.
  • Extra-Tipp: Zählen Sie einmal zusammen, wie viel Zeit es Sie schon gekostet hat, Aufgaben für andere zu erledigen. Das kann ein echter Augenöffner sein!

Konsequenzen eines zu schnellen JAs:

  • Sie leiden unter ständigem Stress und Zeitdruck, da Ihre Aufgaben ja auch jemand machen muss. Dies führt einerseits zu Qualitätsmangel und andererseits zu gesundheitlichen Schäden.
  • Sie haben weniger Energie und Zeit für die Vorhaben bzw. die Menschen, die Ihnen wirklich wichtig sind.
  • Nach einiger Zeit schleicht sich das Gefühl ein, ausgenutzt zu werden.
  • Die eigenen Bedürfnisse werden hintan gestellt. Auf Dauer höhlt das aus und schafft permanente Unzufriedenheit.
  • Sie ärgern sich, schon wieder zugesagt zu haben.