Projektmanagement im Fußball (Satire)

Projektmanagement im Fußball hört sich im ersten Moment etwas übertrieben an, doch auch hier gibt es ein Ziel, einen (Team)Leiter, ein Budget und ein Team, das fest entschlossen ist, dieses Ziel zu erreichen.

Ob Projektmanagement in einer Fußballmeisterschaft zum Erfolg führt, zeigt folgende Story. 

Egal vor welchem Turnier stellt sich wohl jede Fußballmannschaft folgende Fragen:

  • Wurde auch alles getan, damit das Fußballteam optimal auf dieses Großereignis vorbereitet ist?
  • Wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft?
  • Wird die Vorbereitung auf dieses Turnier professionell durchgeführt?
  • Hätten wir uns noch irgendwo mehr ins Zeug legen sollen?

Dass Projektmanagement auch im Sport nicht mehr wegzudenken ist, zeigt das nachfolgende Beispiel.

Achtung:Satire


Beteiligte

  • 1 Verein (sportlich & finanziell am Ende)
  • 1 Vereinspräsidium (neu gewählt)
  • 1 Fußballtrainer (Projektleiter)
  • 1 Abteilung Qualitätsmanagement
  • 1 Qualitätsbeauftragter
  • 11 Fußballspieler
  • Mehrere externe Berater

Ausgangssituation

Die Gaberl-Amateure aus Grammathofen, von den eigenen Anhängern auch liebevoll GAG genannt, sind in der letzten Saison abgestiegen. Der Verein ist nicht nur sportlich sondern auch finanziell am Ende. Der perfekte Zeitpunkt für einen Neuanfang. Es wurde ein neues Präsidium gewählt und das Motto der neuen Führung lautet: „Professionelles Management auf allen Ebenen“. Um von Anfang an auch alles richtig zu machen, wurde sogar Hilfe von außen in Form von Management-Beratung geholt.


Maßnahmen

  1. Aufgrund des ersten Strategiepapiers des externen Beraters wurde der Verein in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, denn man will nicht nur am Spielfeld, sondern auch an der Börse brillieren. Im Rahmen einer Wachstumsstrategie und einer Portfolioerweiterung wurden auch andere Vereine wie z.B. Eishockey, Basketball und Tennis zugekauft.
  2. Außerdem hatten die Berater herausgefunden, dass eine Fußballmeisterschaft einen Anfang und ein Ende hat, Ressourcen benötigt und ein Ziel verfolgt. Somit wurde festgestellt, dass auch eine Fußballmeisterschaft ein Projekt ist und damit auch professionelles Projektmanagement benötigt. So entstanden neue Strategien und neue Organisationen.
  3. Die nun bestehende Abteilung Qualitätsmanagement machte sich gleich mit Feuereifer an die Arbeit und krönte ihren Erfolg mit der Erstellung einer tausendseitigen Methodologie mit dem Titel: „Systematisches und prozessorientiertes Mannschaftsspiel, Teil1: Fußball“. Dieses exemplarische Regelwerk soll später für die anderen Sportarten weiterentwickelt werden. Laut Vereinbarung hat sich die Fußballmannschaft verbindlich an dieses Regelwerk zu halten. Dies wird von einem eigens dafür geschaffenen Qualitätsbeauftragten überprüft.
  4. In einem nächsten Schritt wurde ein Projektauftrag erstellt. Ziel des Projektes: „Gewinn der Meisterschaft und Aufstieg in die nächsthöhere Liga“. Im Zuge dessen wurde der Trainer der Fußballmannschaft zum Projektleiter ernannt und diesem die Termin- und Budgetplanung, sowie die Ergebnisverantwortung übertragen.
  5. Im Gegensatz zur Terminplanung, die relativ rasch abgeschlossen werden konnte, gab es bei der Ressourcenplanung schon einige Probleme. Aus den Projektplänen ging hervor, dass für ein Fußballspiel 11 Ressourcen mit unterschiedlichen Skills benötigt werden. Der Trainer schlug in seiner Planung auch einige Ressourcen als Reserve vor, allerdings wurden diese nach heftigen Diskussionen mit dem Management aus Kostengründen abgelehnt. Danach konnte auch die Budgetplanung abgeschlossen werden.
  6. Im Kommunikationsmanagementplan, welcher im Qualitätshandbuch als verpflichtend vorgeschrieben ist, wurden wöchentliche Statusberichte, die vom Trainer zu erstellen sind, und regelmäßige Audits mit der Abteilung Qualitätsmanagement festgelegt.

1. Meilenstein-Review

Am Ende der Herbstmeisterschaft wurde planmäßig ein Meilenstein-Review durchgeführt. Dieser ergab folgendes:

  • Der GAG befand sich 15 Punkte hinter dem Tabellenführer auf Platz 8.
  • Der Terminplan wurde eingehalten, bei einigen Spielen sogar auf die Minute genau.
  • Der Budgetplan wurde unterschritten, da weniger Prämien als geplant ausbezahlt wurden.
  • Einige Spiele konnten aufgrund von Verletzungen mangels nicht vorhandener Reserve-Ressourcen nicht mit den geplanten 11 Ressourcen durchgeführt werden und gingen dann meist auch verloren. Dies wurde auf höhere Gewalt zurückgeführt.
  • Der Trainer hat die wöchentlichen Statusberichte nicht immer pünktlich abgeliefert, einer konnte sogar bis zum heutigen Tage nicht gefunden werden.

Aufgrund des Reviews setzten der Qualitätsbeauftragte und der externe Berater den Projektstatus im neuen Reportingtool auf grün, da der Rückstand auf den Tabellenführer als nicht kritisch gesehen wurde. Es war ja noch genügend Zeit vorhanden, um das Projektziel zu erreichen.

Es wurden aber proaktiv folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Um die Spieler optimal einsetzen zu können, wird die Einführung eines Ressourcenmanagementtools empfohlen.
  • Damit der Punkterückstand auf den Tabellenführer schneller aufgeholt werden kann, soll eine Task-Force eingesetzt werden. Deren Aufgabe ist es, Möglichkeiten zu erarbeiten, wie man mehr als 3 Punkte pro Spiel erzielen kann.
  • Um die Motivation des Teams zu erhöhen wurde die Auszahlung einer Prämie an die Verantwortlichen (Qualitätsbeauftragter, externer Berater und Trainer) empfohlen, mit der Begründung, dass mehr als 50 Prozent der Basispläne eingehalten (Terminplan) oder sogar unterschritten (Budgetplan) werden konnten.
  • Den Trainer offiziell rügen, da er mehrere Statusberichte nicht pünktlich abgeliefert hat.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden vom Management genehmigt und umgesetzt.


Projekt Abschluss Review

Am Ende der Meisterschaft wurde wie vorgesehen, der so genannte Projekt-Abschluss-Review durchgeführt. Dabei wurden folgende Punkte festgestellt:

  • Das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen, konnte nicht ganz erreicht werden, es wurde aber lobend festgehalten, dass der Rückstand auf den Meister auf 10 Punkte verringert werden konnte.
  • Der Terminplan wurde exakt eingehalten, bis auf eine Ausnahme. Ein Spiel konnte aufgrund der Unbenützbarkeit des Spielfelds erst zwei Wochen später durchgeführt werden.
  • Der Budgetplan konnte noch einmal unterschritten werden, da am Beginn der Frühjahrssaison mit dem Ausrüster bessere Konditionen ausverhandelt werden konnten. Aufgrund einer Standardisierung war der Lieferant bereit, einen Preisnachlass zu gewähren. Es wurden nur Fußballschuhe mit einheitlicher Schuhgröße bestellt.
  • Auch im Frühjahr wurden einige Statusberichte verspätet abgeliefert.
  • Das Meilenstein-Review „Trainingslager“ wurde nicht durchgeführt.
  • Das Ressourcenproblem konnte auch im Frühjahr nicht behoben werden.

Das Ergebnis

Das Projekt wurde als Erfolg bewertet. Aufgrund der Erkenntnisse aus diesem Review wurden für die kommende Meisterschaft folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Weiterer Ausbau der Abteilung Qualitätsmanagement
  • Erweiterung des Regelwerks um ein verpflichtendes Risikomanagement
  • Verstärktes Reporting durch den Trainer (täglich statt wöchentlich)
  • Einführung einer Arbeitsgruppe, um weitere Kosteneinsparungspotenziale zu identifizieren
  • Auf Budgetüberschreitungen folgt konsequenter Abzug von Spielern

Extra-Tipp zum Abschluss

Um das Verständnis von Trainer und Mannschaft für den Ablauf einer Meisterschaft zu erhöhen, sollte man das gesamte Team geschlossen auf einen Projektmanagement-Lehrgang schicken.