Stressfallen der Frauen

Immer mehr Menschen leiden unter andauerndem Stress. Doch ganz besonders Frauen sind durch die viel zitierte Mehrfachbelastung gefährdet, an den Folgen von ungesundem Stress (Distress) zu erkranken.

Immer häufiger klagen Frauen über einen Zustand der Erschöpfung, der sich langfristig in Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems niederschlägt. Wer seine Ziele ständig zu hoch steckt bzw. nicht mit seiner persönlichen Vision in Einklang bringt, steuert einem Burnout-Syndrom entgegen.Jeder Mensch verfügt über ein individuelles Aktivierungsniveau, das auch das Stressverhalten beeinflusst. Menschen, die langsam, ja geradezu umständlich in Gang zu bringen sind, halten Stress viel besser aus.

Diejenigen hingegen, die schon beim Aufstehen auf 180 sind, können zwar kurzfristig viel leisten, jedoch dürfen keine zusätzlichen Stressoren hinzukommen. Ist dies der Fall, schlägt das erhöhte Grundtempo in Hektik um. Das Gehirn ist wie leer gefegt, klare Gedanken zu fassen wird unmöglich und die Effizienz der eigenen Handlungen strebt gegen Null. Ein Beispiel dafür sind Prüfungsängste.Aus der Stressforschung wissen wir heute, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, die kaum von Stressfolgeerkrankungen betroffen sind. Diese sind zum Beispiel Künstler/-innen (Scheer, 2001) und Exzentriker/-innen (Weeks & James, 1998).

Da kreative Leistungen und dauerhafte Stressbelastung einander ausschließen, sind diese Menschen Stress-Drosselungs-Expert/-innen. Es scheint, dass sie einen „Abschaltemechanismus“ entwickelt haben, der es ihnen erlaubt, ihr Aktivierungsniveau jederzeit zu drosseln. Von ihnen können wir etwas lernen!


Mehrfachbelastung trifft vor allem Frauen. Doch es gibt einige leicht umsetzbare Möglichkeiten, um dem Alltagsstress zu entfliehen!


Typische Stressfallen für Frauen und deren Auflösung

Allzeit Bereit

FALLE: Viele Frauen zeigen sich ständig ansprechbar. Die Tür zum Büro ist stets offen bzw. für die Kinder ist ständig Zeit, auch wenn man gerade vor einer komplexen Aufgabe sitzt. Die notwendigen Ruhe- und Konzentrationsphasen fehlen. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist starr, weil er sich nach den Bedürfnissen von Job und Familie richtet.

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LÖSUNG: Stresskünstlerinnen arbeiten häufig in absoluter Ruhe (auch nachts), haben jedoch ausreichend Zeit, dann auszuschlafen. Die Arbeitszeiten folgen dem eigenen Biorhythmus. Die vollkommene Konzentration, das Versinken in eine Aufgabe, wird oft als „heilsamer Zustand für die Seele“ beschrieben. Schaffen Sie sich die Möglichkeit, zumindest Teile Ihrer Arbeit in absoluter Ruhe zu erledigen.

Helfersyndrom

FALLE: Frauen verhaken sich oft in leidvollen Situationen anderer, denen sie helfen wollen. Dabei wird jedoch das eigene Bedürfnis nach Ausgleich durch Bewegung oder ähnlichem vernachlässigt. Stattdessen steht und sitzt frau der armen Kollegin, Freundin, Nachbarin bei, um ihr bei der Lösung ihres Problems zu helfen.

LÖSUNG: Stresskünstlerinnen bleiben nicht gerne in schlechter Gesellschaft. Sie wissen genau, dass belastende Einflüsse ihre Kreativität hemmen und vermeiden solche Situationen. Lernen Sie, sich von den Problemen anderer abzugrenzen. Machen Sie mehrmals pro Woche Bewegung, das bringt auch ihre Stimmung wieder zum Steigen!

Immer ein offenes Ohr

FALLE: Die gute Erziehung verbietet es frau unaufmerksam oder uninteressiert zu sein.
Doch genau das zeitweilige innerliche „Abdriften“ schafft notwendige Ruhephasen.

LÖSUNG: Stresskünstlerinnen wirken oftmals abwesend und somit unhöflich, gönnen sich aber dadurch Ruhe.

Lob und Akzeptanz

FALLE: Frauen definieren ihren Selbstwert oft am Grad der sozialen Anerkennung und Liebe. Sie sind vom Lob anderer stark abhängig und vollziehen wahrlich Meisterleistungen in Sachen Anpassung.

LÖSUNG: Stresskünstlerinnen kümmern sich wenig um gesellschaftliche Normen. Sie sind von Lob und sozialer Akzeptanz nur bedingt abhängig. Machen Sie sich daher von der Anerkennung anderer so unabhängig wie möglich!

Mein Weg aus dem Burnout: Der Stress-Falle entkommen, Lebenskunst entwickeln
  • Jens Brehl
  • Herausgeber: Pomaska-Brand
  • Auflage Nr. 0 (06.12.2013)
  • Taschenbuch: 292 Seiten

Betreuung ist weiblich

FALLE: Viele Frauen sind neben ihrer Arbeit auch noch mit der Pflege von Eltern, Schwiegereltern oder Kindern betraut. Während Väter abends lang gestreckt vor dem Fernseher ausspannen, haben Mütter trotz der eigenen Müdigkeit noch ein Herz, mit den Kindern zu spielen, Aufgaben zu machen, etc. Wenn es um das Wohl der Kinder geht, sind Frauen in der Regel „emotional erpressbar“. Was dabei zu kurz kommt, ist die eigene Erholung.

LÖSUNG: Stresskünstlerinnen „vernachlässigen“ andere Menschen eher. Suchen Sie  gemeinsam mit Ihrem Partner nach fairer Aufteilung von Betreuungs- und Erholungszeiten bzw. lernen Sie, auch hin und wieder in Ihrem Sinne NEIN zu sagen.

Fröhlichkeit

FALLE: Viele Frauen verlieren aufgrund ihrer Überbelastung Lockerheit und Humor. Jedes noch so kleine Problem kann dadurch zu einer ausgewachsenen Tragödie werden, für die es keine Lösung zu geben scheint.

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LÖSUNG: Stresskünstlerinnen nehmen sich selbst nicht zu ernst. Haben Sie keine Hemmungen auch einmal laut zu lachen oder Scherze über sich selbst zu machen.


Tipps – So vermeiden Sie Stress

  • Gönnen Sie sich hin und wieder Zeit und Raum für absolute Ruhe und fordern Sie diese auch ein (und wenn es nur 10 Minuten pro Tag sind).
  • Achten Sie nicht nur auf die Bedürfnisse anderer, sondern auch auf Ihre eigenen.
  • Grenzen Sie sich von den Problemen anderer ab, wenn Sie merken, dass die belastenden Einflüsse überhand nehmen.
  • Machen Sie mehrmals pro Woche Bewegung, am besten an der frischen Luft.
  • Erlauben Sie es sich, auch hin und wieder unaufmerksam zu sein und die Gedanken schweifen zu lassen.
  • Machen Sie sich von der Anerkennung anderer so unabhängig wie möglich.
  • Lernen Sie „Nein“ zu sagen.
  • Achten Sie auf eine faire Aufteilung von Arbeit und Erholung zwischen sich selbst und Ihren Arbeitskollegen oder Familienmitgliedern.