Mit Reteaming Ziele erreichen

Der lösungsorientierte Problembearbeitungsprozess „reteaming“ wurde in den 90er-Jahren von den beiden finnischen Beratern Ben Furman und Tapani Ahola entwickelt und von Wilhelm Geisbauer zu einem komplexen lösungsorientierten Beratungskonzept erweitert.

Mittlerweile wird dieses Konzept von zahlreichen ausgebildeten reteaming-Coaches in der Praxis bei verschiedensten Zielsetzungen angewendet.


Anwendungsbeispiele für Reteaming:

  • Verbesserung von Teamgeist und Arbeits-Atmosphäre
  • Veränderungen in der Organisation anstoßen und integrieren
  • Probleme bei der Zusammenarbeit klären und lösen
  • Lösungsorientierte Kompetenzen für Führungskräfte vermitteln
  • Entwickeln konstruktiver, zielorientierter Denkweisen auf allen Ebenen eines Unternehmens

Das Besondere an dieser Vorgehensweise besteht darin, dass Probleme zwar wahrgenommen und gewürdigt, aber nicht eingehend analysiert werden. Stattdessen werden die vorhandenen Probleme schon sehr früh im Prozess in Ziele umformuliert und das weitere Vorgehen auf das Erreichen dieser Ziele ausgerichtet.

Zunächst mag dieser Unterschied banal erscheinen, aber in der Praxis ergibt sich daraus eine völlig andere Arbeitsweise und auch Arbeitsmotivation. Das wird verständlich, wenn man die traditionelle, problemorientierte Vorgehensweise und ihre Auswirkungen näher betrachtet, die oft zu Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen und nachhaltigen Verstimmungen bei allen Betroffenen führen.

Reteaming traditionell

Demgegenüber versucht reteaming als systemisch- lösungsorientierte Methode einen konsequenten zukunfts- und zielorientierten Bezugsrahmen herzustellen, in dem auf Resourcen und Erfolge fokussiert wird, anstatt auf Defizite und Rückschläge:

Reteaming Vorgehen


RETEAMING PROZESS nach Ben Furman

Ziele setzen

Zunächst werden konkrete Probleme angesprochen und in korrespondierende Ziele „verwandelt“. Daraus wird ein Ziel (das wichtigste, oder das mit der größten Wirkung) für den Prozess ausgewählt. Dabei werden die Gewinne der Zielerreichung identifiziert und nachfolgend der Zielzustand („Dream“) entwickelt. Außerdem werden drei konkrete erste (kleine) Veränderungsschritte vereinbart.

Ermöglichen

Ressourcen werden bewusst gemacht, frühere Erfolge vergegenwärtigt und neueste positive Entwicklungen erkannt. Auch bestehende oder erwartete Hindernisse auf dem Weg zum Ziel werden angesprochen und mögliche Hilfen zu deren Überwindung gesucht.

Beitragen

Die Teammitglieder versuchen in der Folge (in den nächsten Wochen) bewusste, konkrete Beiträge zur Zielerreichung zu erbringen. Dabei achten alle Beteiligten auf die (auch noch so kleinen) Fortschritte und würdigen diese entsprechend.

Positiv verstärken

Nach einiger Zeit (einigen Wochen) blickt das Team auf positive Entwicklungen zurück, erkennt die Beiträge der einzelnen Teammitglieder an, fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und entscheidet über die Fortsetzung des Prozesses.


SCHRITTWEISES VORGEHEN

Reteaming VorgehenUnabhängig von Veränderungsprozessen in Teams kann dieser lösungsorientierte Ansatz ganz allgemein als hervorragende Methode der Problembearbeitung genutzt werden. Das gilt für ganz persönliche Problemsituationen genauso wie für die vielfältigen Aufgaben von Führungskräften oder Projektmanagern oder für das Coaching von Mitarbeitern. Dabei hat sich folgende schrittweise Vorgehensweise besonders bewährt:

  1. Entwicklungsziele auflisten: In welche Richtung soll die Entwicklung erfolgen? Welche Merkmale sollen verbessert werden? Welche Fertigkeiten sollen erworben werden? Was soll verbessert werden? Welche Probleme sollen überwunden werden?
  2. Ein konkretes Ziel auswählen: Konzentration nur auf ein Ziel, das aus einer Reihe vieler guter Ziele ausgewählt wird.
  3. Veröffentlichen: Entwicklung ist fast immer ein soziales Geschehen. Durch Mitteilung des Vorhabens an einen Vertrauten (oder auch mehrere) erhöht sich die persönliche Motivation und das persönliche „Commitment“. Der Vertraute kann zusätzlich auch unterstützend wirken.
  4. Der Nutzen der Lösung: Motivation kommt aus dem Vorhersehen der Vorteile, die die Zielerreichung mit sich bringt. Je größer der Nutzen, desto größer wird das Interesse daran sein, das Ziel zu erreichen. Häufig stellt die Erkundung des Nutzens einen mehrstufigen Prozess dar, indem man immer weiter fragt: „Und was ist der Nutzen davon?“, das heißt sozusagen den Nutzen des Nutzens hinterfragt. Dadurch nähert man sich immer mehr den eigenen Grundbedürfnissen, die eine besonders starke motivierende Wirkung haben.
  5. Möglichst konkrete Zielbeschreibung: Je klarer das Bild ist, das man von seinem Ziel hat, umso wahrscheinlicher ist es, dass man es wirklich erreicht. Häufig ist es auch hilfreich als Visualisierung dieses Ziels ein Symbol zu wählen, das man so oft wie möglich vor Augen hat.
  6. Erinnerung an frühere Erfolge: Jeder hat in seinem Leben bisher viele schwierige Dinge erlernt und wahrscheinlich auch Ziele erreicht, die dem jetzigen Ziel ähnlich sind. Darüber zu diskutieren, was man früher schon geschafft hat, vermittelt Hoffnung, macht Ressourcen bewusst, und es entsteht eine konkrete Vorstellung davon, was man tun kann, um das jetzige Ziel zu erreichen.
  7. Den bisherigen Fortschritt schätzen: Wenn man sich konkrete Ziele gesetzt hat, ist es mehr als wahrscheinlich, dass man bereits einigen Fortschritt in Richtung dieses Ziels gemacht hat. Diesen Fortschritt zur Kenntnis zu nehmen vermehrt den Optimismus, da man merkt, dass man schon unterwegs zum Erfolg ist. Den Fortschritt im Detail zu besprechen zeigt, was man schon getan hat, und was man noch weiter tun kann, um dem Ziel weiter näher zu kommen.
  8. Ressourcen bewusst machen: Je mehr Ressourcen oder Faktoren es gibt, die helfen können, das Ziel zu erreichen, und je mehr man sich dieser Ressourcen bewusst ist, desto eher ist das Ziel in Reichweite. Aktive Suche nach Ressourcen führt oft zu einer Fülle von neuen Entdeckungen sowohl an inneren als auch an äußeren Ressourcen.
  9. Persönlicher Beitrag: Hier gilt es zu entscheiden, was man tun wird, um das Erreichen des Zieles zu fördern und diesen persönlichen Beitrag möglichst wieder zu veröffentlichen, das heißt, einem Partner mitzuteilen.
  10. Um Hilfe bitten: In welcher Weise könnten andere helfen, das Ziel zu erreichen? Diese anderen Personen sind – wenn möglich – gezielt anzusprechen und um einen hilfreichen Beitrag zu bitten.
  11. Auf den Fortschritt achten: Bei jeder Veränderungsarbeit ist es wichtig, auf Zeichen von Fortschritt zu achten – auch wenn diese im Moment unbedeutend erscheinen. Den Fortschritt zu bemerken erlaubt es, ihn mit anderen zu besprechen und Anerkennung zu geben und zu erhalten.
  12. Die Beiträge anderer anerkennen: Beim Wahrnehmen und Berichten über Fortschritte soll nicht vergessen werden, denen, die auf ihre eigene Art dazu beigetragen haben, Anerkennung auszusprechen. Anerkennung zu teilen ist der Antrieb für die weitere Veränderungsdynamik.

Ich habe reteaming persönlich immer wieder in der Arbeit mit Teams und auch mit Einzelpersonen eingesetzt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Vorgehensweise tatsächlich sehr viel Energie freisetzen kann und dabei nicht nur sehr erfolgreiche Problemlösungen und Veränderungen möglich werden, sondern dass diese Vorgehensweise häufig auch nachhaltige Auswirkung auf die „Kultur“ im Umgang mit allen möglichen Herausforderungen hat.

Wer diese Vorgangsweise erlebt und erfolgreich durchlebt hat, ist eher geneigt und befähigt, immer mehr Ziele zu erreichen als Probleme zu wälzen.

– DI Friedl Sobota


Literaturhinweise