Alte Gewohnheiten kritisch überdenken

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Wir alle haben uns verschiedenste Gewohnheiten angeeignet und verfallen in diese ohne viel darüber nachzudenken. Aus Bequemlichkeit oder Routine? Wer weiß, wir denken einfach nicht mehr darüber nach.


Hören Sie niemals auf, alte Gewohnheiten kritisch zu überdenken!


Als Anregung zum Nachdenken nachfolgend eine kurze Geschichte

Es war einmal ein alter Mönch, der irgendwo in einem kleinen Dorf im Gebirge lebte und für seine Güte und Weisheit bekannt war. Jeden Abend las er im Kloster die Messe für die Dorfbewohner.

Im Hof vor dem Eingang ins Kloster hing an einem Baum seit neuestem ein Vogelkäfig mit einem Papagei darin, den der Mönch von einer seiner zahlreichen Reisen mitgebracht hatte. Jeden Abend, wenn sich die Dorfbewohner zur Messe einfanden und am Baum mit dem Vogelkäfig vorbeigingen, begann der Papagei zu kreischen, weil er die Menschenmenge als bedrohlich empfand. Dasselbe Theater veranstaltete er nach der Messe, wenn die Dorfbewohner wieder nach Hause gingen.

Also bat der weise Mönch einen der Diener, er möge den Vogelkäfig zur Messezeit, mit einem Tuch verhängen, um den Papagei nicht zu beunruhigen.

Und siehe da, es funktionierte. Ab sofort fühlte sich der Papagei unter seinem weißen Leinentuch durch die plötzliche Bewegung im sonst so ruhigen Klosterhof nicht mehr bedroht und hielt den Schnabel. Die Leute lobten die weise Entscheidung des Mönchs, sie hatten ja schon immer gewusst, was für ein kluger Mann er sei.

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Nach einigen Jahren starb der alte Mönch und ein neuer junger Mönch führte sein Werk fort. Der Diener erklärte dem Mönch, dass es seine Aufgabe sei, jeden Abend zur Messezeit den Vogelkäfig zu verhängen. Aus Respekt vor seinem Vorgänger akzeptierte der junge Mönch diesen Umstand natürlich.

Eines Morgens jedoch machte der junge Mönch eine schreckliche Entdeckung. Der Papagei lag tot auf dem Boden seines Käfigs. Aus Angst, wie diese Nachricht den Diener treffen würde, setzte er alle Hebel in Bewegung und pünktlich vor der Abend-Andacht saß ein neuer identer Papagei im Käfig, der sich brav verhängen ließ. Auch er hielt unter seinem weißen Leinentuch den Schnabel (ob er es auch ohne Leinentuch getan hätte, ist nicht überliefert).

Mittlerweile waren auch schon mehrere Besucher aus anderen Dörfern gekommen und sahen den verhängten Vogelkäfig, als sie zur Messe gingen. Als sie nachfragten, wurde Ihnen gesagt, dass dies der alte Mönch eingeführt hatte, der als sehr weise und klug galt und dass auch alle Dorfbewohner diese Entscheidung für sehr vorausschauend hielten.

Die Besucher wollten natürlich auch als weise und klug gelten und beschlossen, diesen Brauch für ihr eigenes Dorf zu übernehmen. Im Lauf der Zeit hingen nach und nach in jedem Klosterhof in der Umgebung Vogelkäfige. Kleine Dörfer, die sich keinen Papagei leisten konnten, setzten eine Krähe oder einen Spatz in den Käfig (es sah ja keiner, weil der Käfig immer verhüllt war, wenn die Menschen vorbei gingen).

Jahrzehnte später schrieben Gelehrte ganze Abhandlungen über die zeremonielle Bedeutung und die genaue Vorgehensweise beim Verhängen eines Vogelkäfigs während der Messe.

Und wo hängen die Vogelkäfige in Ihrem Unternehmen?

Vielleicht hören Sie das Kreischen des Papageis aus den detaillierten Berichten, die Ihr Geschäftsführer wollte, und die immer noch bis ins Kleinste ausgefüllt werden, obwohl es längst eine neue Geschäftsführung gibt? Oder Sie trinken jeden Tag in der Früh eine Tasse Kaffee, obwohl Sie ihn gar nicht brauchen und er Ihnen nicht einmal wirklich schmeckt?

Überdenken Sie gewisse Gewohnheiten von Zeit zu Zeit. Vielleicht haben sich die Umstände geändert – und Sie können eine Menge Zeit und Nerven sparen!

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