Networking als Erfolgsfaktor

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Der Begriff „Networking“ ist zum Modewort geworden, dabei sind die dahinter stehenden Prinzipien so alt wie die Menschheit selbst. Aber vielleicht ist es eben in Zeiten extremer Individualisierung besonders wichtig, sich dieser Grundprinzipien wieder zu erinnern und möglicherweise verlernte Kompetenzen wieder zu entwickeln oder zu erweitern.

Unter dem Titel „Funktionieren Netzwerke anders?“wurde hier einen Beitrag über Netzwerke als soziales System und moderne Organisationsform geschrieben. In diesem Beitrag soll der Begriff des Netzwerkes noch viel weiter gefasst werden, nämlich als Bezeichnung für das umfangreiche, komplexe Beziehungsgeflecht in dem jeder Mensch lebt und das ein ganz entscheidender Faktor sowohl für das persönliche Glücksempfinden, als auch für den privaten und beruflichen Erfolg darstellt.

Know How or Know Who?

In einem Bericht über Einwanderer in die USA aus Lateinamerika wurde festgestellt, dass diese Bevölkerungsgruppe trotz teilweise bedrückender Armut wesentlich gesünder und glücklicher ist als ihre weitaus wohlhabenderen US-amerikanischen Nachbarn. Bei der Untersuchung dieses Phänomens stellten die Sozialforscher fest, dass ein wesentlicher Grund dafür die starken Familienbande der sogenannten „Latinos“ sind. Diese Einwanderer leben in komplexen Netzwerken von Verwandten, Freunden, Bekannten, die als verlässliches Sicherheitsnetz fungieren.

Sie bieten jederzeit notwendige Unterstützung und Hilfe an und tragen so dazu bei, dass ein subjektives Sicherheits- und Geborgenheitsgefühl entsteht. Dadurch sind diese Menschen gesünder als Menschen, die weitgehend sozial isoliert oder nur mit einem kleinen Bekanntenkreis leben. Dieses Phänomen wurde in den USA als „Latino-Paradox“ beschrieben.

Ähnliches kann man aber auch bei erfolgreichen Menschen im Geschäftsleben beobachten: Fast immer ist deren soziales Umfeld durch ein umfangreiches Netz an Bekannten, Partnern, Freunden, Förderern, etc. gekennzeichnet. Das wird jedoch nicht immer positiv bewertet. Erfolg, der durch „Beziehungen“ zustande kommt, wird häufig als moralisch bedenklich gesehen. Dabei verhalten wir uns alle fast tagtäglich entsprechend diesen sozialen Grundprinzipien.

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Oder suchen Sie sich Ihren Arzt oder Masseur oder Coach etwa aus einer Liste der entsprechenden Berufsvereinigung? Nein, wir suchen „Empfehlungen“, fragen Freunde und Bekannte über ihre Erfahrungen, und entscheiden uns für die Anbieter, bei denen wir durch diese Erkundungen ein „gutes Gefühl“ gewonnen haben. Und das gleiche machen wir auch immer wieder bei geschäftlichen Entscheidungen.

So hat eine Studie von IBM in den USA ergeben, dass für Karriereschritte 10% persönliche Leistungen, 30% Image und 60% Beziehungen ausschlaggebend sind. Wie auch immer man zu diesem Ergebnis steht, es unterstreicht auf jeden Fall die Tatsache, dass Beziehungen ein ganz wesentliches Erfolgskriterium sind, weil viele Entscheidungen eben nicht leicht objektivierbar sind und daher aufgrund des Vertrauens zu einem „empfehlenden“ Partner getroffen werden.


„Alle Menschen sind schlecht. Sie denken nur an sich.
Nur ich denk an mich!“

Erich Kästner


Networking oder „Vitamin B“

Natürlich gibt es unzählige Beispiele des Missbrauchs von Beziehungen, die zu Entscheidungen führen, die objektiven Kriterien widersprechen und einzelnen oder Gruppen ungerechtfertigte Vorteile verschaffen. Wenn wir erleben, wie zum Beispiel Postenschacher und „Freunderlwirtschaft“ mitunter absolut inkompetente Personen in Positionen hievt, denen sie in keiner Weise gewachsen sind, dann entsteht eine instinktive Abscheu gegen das Nutzen von Beziehungen – ein „Vitamin B-Komplex“ der hinter jeder Empfehlung eine moralisch verwerfliche Intervention sieht.

Aber so sehr dieser Missbrauch abzulehnen ist, so sehr ist es auch sinnvoll und oft notwendig, bei unseren Entscheidungen auch das Urteil von Menschen einzubeziehen, denen wir vertrauen und deren Empfehlungen wir mit gutem Grund mehr Gewicht geben, als einer bunten Hochglanzbroschüre.

Der erste Schritt zu erfolgreichem Networking besteht daher oft im Überwinden intuitiver Blockaden und einer Einstellungsänderung. Nicht jeder Erfolg, der über Empfehlungen zustande kommt, stellt einen Machtmissbrauch oder Korruption dar, sondern man kann ihn als Ausdruck sozialer Kompetenz und eines grundlegenden menschlichen Bedürfnisses nach Verbundenheit und Sicherheit wertschätzen. Erst aus einer solchen positiven Einstellung zum Networking kann die Motivation entstehen, aktiv an der Gestaltung des eigenen Netzwerkes zu arbeiten.

Wie wird man zum Netzwerker?

  • Klarheit über eigene Fähigkeiten und Ressourcen gewinnen
    Machen Sie sich klar, weshalb Sie erfolgreich sind, was andere an Ihnen schätzen, was Sie auszeichnet, wie Ihr Beziehungsnetzwerk aussieht.
  • Blockaden abbauen, innere Einstellungen überprüfen
    „Das hab ich nicht nötig!“ Mag schon sein, aber wenn Sie so gut sind, dann sind Sie es auch wert weiterempfohlen zu werden!
    „Es ist mir peinlich mich anzupreisen!“Selbstbewusst eigene Fähigkeiten und Stärken auszusprechen muss kein Anpreisen sein! Seien Sie einfach nur wer Sie sind – aber nicht weniger!
    „Ich fühle mich dann in der Schuld!“ Ja, das mag sein, aber wenn Sie in Ihrem Netzwerk ein aktiver „Vermittler“ sind, werden Sie diese Schuld mehrfach zurückzahlen können.
  • Kontakte knüpfen
    Wo immer Sie Menschen begegnen, am Arbeitsplatz, bei Konferenzen, Seminaren, Meetings, in der Freizeit, im Freundeskreis, überall ergeben sich Kontakte. Achten Sie bewusst darauf, Gelegenheiten Menschen kennen zu lernen auch wahrzunehmen, erzählen Sie von sich und dem was Sie ausmacht. Tauschen Sie immer wieder Kontaktdaten aus.
  • Kontakte pflegen
    Einmal geknüpft ist noch kein dauerhafter Kontakt. Planen Sie die Pflege Ihrer Kontakte. Das kann individuell sehr unterschiedlich aussehen, von Telefongesprächen über Treffen, gemeinsames Essen, Geburtstagsglückwünsche, Urlaubskarten, Einladungen – entscheiden Sie selbst, was bei jedem Kontakt angemessen ist.
  • Neue Medien nutzen
    Internetplattformen wie zum Beispiel Xing (www.xing.com) bieten die Möglichkeit quasi weltweite Netzwerke zu knüpfen und zu pflegen. Es gibt viele Erfolgsgeschichten und selbst wenn Sie diese für sich nicht für wahrscheinlich halten, kann schon das Gestalten Ihres Profils von großem Nutzen sein, weil Sie sich damit auch mehr Klarheit  für Ihre anderen Netzwerkaktivitäten erarbeiten.
Erfolgsstrategie Networking
40 Bewertungen
Erfolgsstrategie Networking
  • Monika Scheddin
  • Herausgeber: buch&media
  • Auflage Nr. 1 (21.10.2013)
  • Taschenbuch: 196 Seiten

Grundhaltung des Networkings

Erster Grundsatz des Netzwerkens ist „Geben vor Nehmen“. Natürlich bedeutet das keine naive Selbstaufgabe, aber aus ganz persönlicher Erfahrung kann ich feststellen, dass alles was man an Unterstützung und Hilfe gibt, mehrfach zurückkommt. Meist nicht sofort, manchmal auf Umwegen, oft auf ganz verblüffende Weise. Es geht also darum, ein Netzwerk nicht nur als mögliche Hilfe und Erfolgsfaktor zu sehen, sondern vor allem auch als Möglichkeit seine eigenen Qualitäten zum Nutzen von Vielen einzusetzen.

Alle erfolgreichen „Netzwerker“, die ich kenne, zeichnen sich dadurch aus, dass sie von außen betrachtet weit mehr geben als nehmen, nur würden sie das selber nie so sehen, weil das Geben fast selbstverständlich gesehen wird und ja tatsächlich so gut wie nie einen „Verlust“ darstellt, während das, was man bekommt, als große Bereicherung und Unterstützung gesehen wird.

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Das bedeutet, dass erfolgreiches Networking auf einer grundsätzlich positiven, angstfreien Lebenseinstellung beruht. Wer aus Angst Wissen hortet und Ressourcen zurückhält, wird als Netzwerker nur äußerst kurzfristigen Erfolg haben oder wie Andreas Heuberger (siehe Literatur) es ausdrückt: „Nirgends haben Lügen so kurze Beine wie in Netzwerken“.

Bin ich als Netzwerkpartner attraktiv?

Es sind drei wesentliche Aspekte, die Sie als Netzwerkpartner interessant machen:

  • IHRE KOMPETENZEN:
    Sie haben Fähigkeiten, Wissen oder Informationen, die für andere von besonderem Nutzen und Wert sein können.
  • IHRE POSITION:
    Sie haben aufgrund Ihrer Position oder Ihrer Mittel Möglichkeiten Dinge zu bewegen, die anderen nicht offen stehen.
  • IHRE BEZIEHUNGEN:
    Sie haben ein umfangreiches Netzwerk von Beziehungen, das es Ihnen ermöglicht, Menschen zusammen zu bringen, die einander von gegenseitigem Nutzen sein können.

Wenn Sie also Ihre Networking-Aktivitäten intensivieren wollen, dann bilden diese drei Felder Ihr Angebot an Ihre Netzwerkpartner. Dieses Angebot können Sie ständig erweitern, indem Sie sich Ihre speziellen Kompetenzen bewusst machen und sie auch pflegen, indem Sie sich klar sind, welche speziellen Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen und indem Sie Ihre Kontakte ganz bewusst pflegen.

Wenn Sie selbst klar sehen, was Sie anderen zu bieten haben – und das ist fast immer weit mehr als man nach oberflächlicher Betrachtung meint – dann gilt es, dieses Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern offen zu kommunizieren. „Tue Gutes und rede darüber“ nicht als übertriebene Selbstdarstellung („Selbstmarketing“) sondern authentisch und selbstbewusst.

Ist Networking erlernbar?

Die Grundeinstellungen – eine positive Weltsicht, generelle Kooperationsbereitschaft, das Vertrauen darauf, dass das, was man gibt, irgendwann zurückkommt, – diese Einstellungen sollten schon als Basis vorhanden sein. Aber die darauf aufbauenden Aktivitäten zur Erweiterung und Pflege eines Netzwerkes sind durchaus erlernbar und können durch Übung und bewusste Reflexion perfektioniert werden.

Möglichkeiten dazu bieten umfangreiche Literatur aber auch Seminare und Coaching. Das Entscheidende ist aber wohl: Beginnen Sie, das Potential, das in Ihrem Netzwerk liegt, bewusst wahrzunehmen, auszubauen und zu pflegen!


Literaturhinweise

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