5 Leadership-Tipps für Projektleiter

Projektleiter zu sein, bedeutet nicht immer, auch „Projektleader“ zu sein. Um seine Mitarbeiter nicht nur in Projekten sondern auch in der Linie richtig führen zu können, braucht es gewisse Eigenschaften, die einem eine Art von natürlicher Autorität und Charisma verleihen, um ein „guter Chef“ zu sein.

In der Tierwelt ist, sofern es keine Eingriffe von menschlicher Seite gibt, immer jenes Rudelmitglied die Leitfigur in einer Gruppe, das die besten Eigenschaften in sich vereint – das Schnellste, Stärkste oder Klügste. In der Zoologie wird es Alpha-Tier genannt. Dieses Alpha-Tier führt das Rudel sehr erfolgreich, Kraft seiner natürlichen Autorität und Intuition und ganz ohne Ausbildung zum Thema Führung.

Ein Alpha-Tier ist zum Führen geboren – in der Welt der Menschen ist der Fachausdruck dafür „Leadership“. Unter der Annahme, dass Sie genau aus diesem Grund jetzt Projektleiter sind, anbei fünf Tipps, die Ihnen dabei helfen, Ihre „natürliche“ Autorität optimal auf Ihr Projektteam wirken zu lassen.

1) Aufträge erteilen

Es gibt unzählige  Führungsstile und Arten mit Projektmitarbeitern umzugehen und alle wurden auch schon ausprobiert. Man kann den Mitarbeitern alles bis ins kleinste Detail erklären oder sie einfach vor vollendete Tatsachen stellen, man kann sie als Kollegen behandeln oder als Coach und Berater auftreten und sie intensiv unterstützen. Alles gut und schön. Doch was oft vergessen wird: man kann auch ganz einfach nur Befehle geben. Nach wie vor, eine der verlässlichsten und effizientesten Formen der Auftragserteilung.

Denn eines dürfen Sie nie vergessen:
Als Projektmanager sind Sie für die Projekt-Ergebnisse verantwortlich und Ihr Erfolg wird nur daran gemessen, ob Sie die Projektziele termingerecht und unter Einhaltung des Budgets erreicht haben. Ob Ihre Projektmitarbeiter Sie lieben oder Sie besonders glaubwürdig wirken, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Sie sind dann erfolgreich, wenn Sie Ihre Projektziele erreicht haben.

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Wenn Sie also einen Auftrag erteilen wollen und alle notwendigen Informationen über die jeweilige Situation haben, suchen Sie sich am besten einen geeigneten Mitarbeiter und geben Sie klar formulierte Anweisungen mit klar formulierten Ergebnissen und klar erkennbaren Zielen. Beantworten Sie alle Fragen geduldig, um alle Unklarheiten bezüglich des gewünschten Ergebnisses auszuräumen. Statten Sie den Projektmitarbeiter mit den notwendigen Kompetenzen und Ressourcen aus und dann lassen Sie ihn arbeiten. Mischen Sie sich nicht mehr ein. Wie und wann er die Aufgabe löst muss in seinem Ermessen liegen.

Beurteilen Sie ihn nach den erzielten Ergebnissen. Dulden Sie aber keine Abweichungen vom vereinbarten Zeitplan und den Zielsetzungen. Ihr Projektmitarbeiter war dann erfolgreich, wenn er die ihm übertragenen Aufgaben zu Ihrer Zufriedenheit erledigt hat – und damit waren auch Sie erfolgreich.

2) Ehrlichkeit

Seien Sie gegenüber Ihrem Projektteam so ehrlich wie möglich. Sagen Sie Ihren Projektmitarbeitern die Wahrheit wo immer es geht und bevor Sie schwindeln, sagen Sie besser gar nichts. Informieren Sie sie aber auf jeden Fall soweit, damit sie ihre Arbeit erledigen können. Gibt es unangenehme Nachrichten, dann reden Sie nicht lange um den heißen Brei herum, sondern kommen Sie gleich auf den Punkt.

Es ist besser, sie informieren Ihr Projektteam gleich persönlich, bevor die Information auf anderen Wegen durchsickert. Das wäre das Schlimmste, denn damit hätten Sie Ihr Vertrauen verspielt! Ihr Team wird Ihnen für Ihre Offenheit sehr dankbar sein und auch dafür, dass Sie es nicht für dumm verkaufen wollten.

Halten Sie Ihr Wort, das bedeutet aber auch, geben Sie es niemandem leichtfertig. Ihr Projektteam muss wissen, dass Sie zu Ihrem Wort stehen. Und dabei müssen Sie konsequent sein. Fordern Sie im Gegenzug Versprechen, die Ihnen gegeben wurden, genauso ein.

Wer hat den Ball?: Mitarbeiter einfach führen
  • Thomas Fritzsche
  • Herausgeber: Verlag Herder
  • Auflage Nr. 1 (14.01.2016)
  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

3) Der Ton macht die Musik

Eine Regel ohne Ausnahme:
behandeln Sie jeden Projektmitarbeiter immer mit Respekt. Immer! Aber pflegen Sie auch keinen zu vertrauten Umgang mit Ihrem Projektteam. Vertrautheit führt zwar schnell zu Beliebtheit, doch diese schlägt dann auch sehr schnell in Verachtung um. Wenn es einmal so weit ist, ist eine konstruktive Zusammenarbeit praktisch nicht mehr möglich.

Seien Sie freundlich, aber beachten Sie auch, dass viele Menschen dazu tendieren, zu viel Freundlichkeit als Schwäche auszulegen. Fassen Sie Ihre Projektmitarbeiter also auch nicht mit Samthandschuhen an. Von Zeit zu Zeit Stärke zu demonstrieren ist absolut notwendig, sonst tanzen Ihnen Ihre Projektmitarbeiter bald auf der Nase herum. Vor Stärke haben Menschen Respekt. Deshalb haben es die meisten Menschen gerne, wenn man Ihnen präzise und eindringlich sagt, was ihre konkreten Aufgaben sind.

Sprechen Sie ruhig, langsam und überlegt, aber vor allem, sprechen Sie leise. Wenn Sie leise sprechen, zwingen Sie die anderen Ihnen zuzuhören. Leise sprechen kann man lernen. Vergessen Sie aber auch nicht, dass Ihnen umso weniger zugehört wird, je mehr Sie sprechen. Weniger ist – wie in so vielen Fällen – mehr.

 

Unterstreichen Sie Ihre natürliche Autorität – durch Freundlichkeit, Information, Ehrlichkeit

4) Lob und Tadel

Sie müssen Ihren Projektmitarbeitern laufend das Gefühl geben, dass ihre erbrachten Leistungen wichtig für Sie und das Projekt sind und dass sie ihren Job hervorragend machen. Verteilen Sie Lob, so oft Sie können, sagen Sie Ihren Projektmitarbeitern, dass sie gut sind, egal wie gut sie wirklich sind.

Wenn Sie doch einmal kritisieren müssen, bleiben Sie fair und sachlich. Sofern möglich, vermeiden Sie es, einzelne Projektmitarbeiter negativ hervorzuheben, sondern kritisieren Sie das gesamte Team. Nur so können Sie die (Projekt)Schlacht mit Ihnen gemeinsam gewinnen. Ansonsten kann es womöglich passieren, dass die Krankmeldungen plötzlich massiv ansteigen.

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5) Buschtrommeln und Berichte

Sie können Ihr Tun und Handeln an den offiziellen Berichten Ihrer Projektmitarbeiter ausrichten. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Um die ganze Wahrheit zu erfahren, müssen Sie auch jene Informationen nutzen, die mittels Buschtrommeln verbreitet werden. Die Gerüchteküche liefert oft wesentlich präzisere und aktuellere Informationen über das Projekt als jeder formale Bericht. Zapfen Sie also auch diese Informationsquelle an, indem Sie sich beim Kaffeeautomaten oder in der Kantine unter das Volk mischen.

Sofern es keinen akuten Handlungsbedarf gibt, ist es oft besser, wenn Sie offiziell gar nichts davon wissen. Es sind ja nur Gerüchte. Halten Sie sich heraus aber beobachten Sie die Situation auf jeden Fall aufmerksam weiter. Oft lösen sich die Probleme mit der Zeit von alleine. Sie können also den Dingen ruhig erst einmal ihren Lauf lassen. Haben Sie aber den Eindruck, dass Sie eingreifen müssen, dann tun Sie das auch. Und zwar rasch, gründlich und konsequent. Damit zeigen Sie Stärke (das hatten wir doch schon) und beweisen, dass Sie Ihr Projekt und die Dinge darum herum stets im Griff haben.